Erste Stufe : Kindergarten und Vorchule (3 bis 5 Jahre)

In den Lehrplänen ist für diese Stufe kein Fremdsprachenunterricht vorgesehen. Allerdings besteht die Möglichkeit, im dritten Kindergartenjahr nach dem Immersionskonzept mit dem Lernen einer Fremdsprache zu beginnen. Bei der Sprachlernmethode der Immersion geht es darum, für einen Teil der Aktivitäten nicht Französisch, sondern eine andere moderne Sprache zu nutzen. Mit der Gestaltung des „Sprachbads“ sind in der Vorschule dafür ausgebildete Lehrkräfte betraut.

Das Eintauchen in die Sprache 

Um dem beinahe ausschließlichen Gebrauch jeweils einer Sprache in den verschiedenen belgischen Gemeinschaften entgegenzuwirken, wurde mit dem Erlass vom 11. Mai 2007 das Konzept des Immersionsunterrichts sowohl für den Primar- als auch für den Sekundarbereich eingeführt. Der Erlass trat im Januar 2008 in Kraft. Der Immersionsunterricht kommt von Jahr zu Jahr in immer mehr Schulen zum Einsatz.

Grundschule: 1. bis 6. Klasse (6 bis 11 Jahre)

In der Wallonie wird die erste lebende Fremdsprache, die als „moderne Sprache“ bezeichnet wird (Niederländisch, Englisch oder Deutsch) im 5. Jahr der Grundschule (4. Stufe) im Alter von 10 Jahren eingeführt. An einigen Schulen wurde der Fremdsprachenunterricht jedoch vorgezogen, indem ein früherer Einstieg in eine Zweitsprache mit entsprechenden Lernangeboten oder dem Konzept „Begegnung mit Sprachen“ („Eveil aux langues“/„Language Awareness“) angeboten wird. Für den Fremdsprachenunterricht sind zwei Unterrichtsstunden pro Woche eingeplant.

Niederländisch als Zweitsprache wird von zwei Dritteln der Schüler/-innen gelerntDamit ist das Interesse der Lernenden an Niederländisch in dieser Bildungsphase deutlich höher als an Englisch (30,3 %), wobei Deutsch seinerseits hier weit abgeschlagen ist.

Immersives Lernen

Das Lernen durch Immersion kann, wenn auf diese Methode zurückgegriffen wird, in der 1. oder in der 3. Klasse der Grundschule eingeführt werden. Ein Teil der Unterrichtsstunden und Lernaktivitäten in der Stundentafel finden in der gewählten Fremdsprache statt, um diese schrittweise zu lernen. Ferner gilt das Prinzip, auch andere Fächer in der gewählten Sprache zu unterrichten.

Beispiel für eine Stundentafel: 8 bis 21 Unterrichtsstunden vom 3. Kindergartenjahr bis zum 2. Grundschuljahr.
Um immersives Lernen im Primarbereich zu gewährleisten, wurden für Grundschullehrer und Sportlehrer eigens Stellenprofile mit einer Zuständigkeit für Unterrichtsstunden nach der Immersionsmethode geschaffen.

Eine Übersicht über die Schulen, die im Primarbereich (2015-2016) immersives Lernen anbieten, finden Sie auf dem Bildungsportal der Föderation Wallonie-Brüssel: http://www.enseignement.be/index.php?page=23801

Das Projekt „Eveil aux langues“ („Begegnung mit Sprachen“) in der Föderation Wallonie-Brüssel

Am 22. Mai 2003 beauftragte die Regierung der Föderation Wallonie-Brüssel den „Service de pédagogie expérimentale“ (Abteilung für Erlebnispädagogik – SPE) der Universität Lüttich damit, das Konzept „Begegnung mit Sprachen“ in sechs Einrichtungen des Primarbereichs zu erproben. 27 freiwillige Lehrkräfte haben diesen innovativen Ansatz in ihren Klassen umgesetzt. Zur Sensibilisierung für andere Sprachen und Kulturen sind Unterrichtseinheiten von 27 bis 35 Minuten vorgesehen.

Die Umsetzung des Projekts geht mit der Entwicklung von Materialien für das Konzept „Begegnung mit Sprachen“ einher:
Abzählreime, Geschichten, Aktivitäten. Je nach verfolgtem Ziel steht es den einzelnen Lehrkräften frei, die bereitgestellten Hilfsmittel anzupassen, sofern damit das erwünschte Ziel der Förderung von Sprachbewusstheit erreicht werden kann.

Das Projekt „Ouverture aux langues et aux cultures“ (Entdecken von Sprachen und Kulturen) im Primar- und Sekundarbereich

Im Rahmen einer (verbindlichen) Partnerschaft zwischen der Föderation Wallonie-Brüssel und acht Ländern (China, Spanien, Griechenland, Italien, Marokko, Türkei, Portugal und Rumänien) können interessierte Schulen ihren Schülerinnen und Schülern im Primar- und Sekundarbereich das Fach „Ouverture aux Langues et aux Cultures“ (OLC) anbieten.

Das Fach OLC richtet sich heute nicht mehr nur an Schüler/-innen mit Migrationshintergrund, sondern an alle Schüler/-innen im Primar- und Sekundarbereich.

Das Projekt bietet im Fach OLC zwei Arten von Unterricht: